Wenn Sonne und Mond sich begegnen, oder wenn Freundschaften entstehen
- Johanna Winter

- 30. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit

Wenn Sonne und Mond sich begegnen, oder wenn Freundschaften entstehen
Wenn Freundschaften entstehen, beginnen sie oft mit einem Lächeln, andere mit einer Einladung zum Tee und wieder andere mit einem Zauberunfall, einem Haufen Kräuter auf dem Boden und einer überforderten Katze mittendrin.
So ungefähr lief das, als sich Amara und Fidelia zum ersten Mal begegneten.
Amara, die Ruhe selbst in Gummistiefeln
Amara, das ist die mit den Gummistiefeln, dem Sonnenhut und dem Blick, der sagt: „Ich kenne drei Heilpflanzen gegen jede deiner schlechten Entscheidungen.“ Sie liebt die Sonne, alle hellen Farben, ihren Garten, das ruhige Atmen, während der Tee zieht und Pflanzen, die nach Lavendel duften und nicht nach Explosion. Sie ist die Ruhe selbst, bedacht und tief verwurzelt wie ein alter Apfelbaum. Wenn sie spricht, schweigen selbst die Schmetterlinge.
Fidelia, Glitzer, Chaos und ein sprechendes Einhorn
Fidelia liebt den Mond, nicht so einer, der elegant über den Himmel zieht, eher einer, der dabei stolpert, ein bisschen Chaos stiftet und trotzdem alle verzaubert. Sie liebt das Funkeln der Sterne, das Spontane und das leicht Chaotische. Wenn sie etwas anfasst, weiß man nie genau, ob gleich ein Zaubertrank entsteht, ein sprechendes Einhorn erscheint, das permanent Schluckauf hat, ein Pudding oder ein sprechendes Einhorn aus Pudding.
Ein Nachmittag, der alles veränderte
Und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, hat das Universum irgendwann entschieden: Diese zwei müssen sich begegnen.
Es war ein später Nachmittag im Zauberwald. Die Sonne leuchtete golden zwischen den Bäumen, als Fidelia mit wedelndem Umhang durchs Unterholz stapfte, auf der Suche nach frischem Silberlaubkraut für einen Zaubertrank, der fürs Schnellsein gut sein sollte. Nur, das Kraut war weg, alles ausgerupft. Gerade wollte sie sich lauthals beschweren, da hörte sie ein Summen, wie ein leises Singen.
Hinter dem nächsten Busch saß Amara, mit einem riesigen Korb voller Kräuter, die sie sortierte, als wären es wertvolle Edelsteine. „Du hast das ganze Silberlautkraut gepflückt!“, platzte Fidelia heraus.Amara hob den Blick, lächelte sanft und sagte nur:„Es war bereit. Ich sammle nur, was freiwillig mitkommt.“
Überrascht schaute Fidelia sie an, dann in den Korb – und plötzlich bemerkte sie auch Goldschimmerkraut, Funkelminze und sogar Sternenwurz. „Okay, vielleicht können wir etwas tauschen?“
Am Ende des Tages saßen sie nebeneinander auf einem moosigen Baumstamm, tauschten Rezepte, Geschichten und einen Tee, der gleichzeitig wach machte und beruhigte. („Wie hast du das gemacht?“ – „Magie, und ein bisschen Lavendel.“)
So beginnt eine Freundschaft, nicht mit Feuerwerk, sondern mit Kräutern, einem kleinen Streit und dem Gefühl, dass diese Mischung stimmt.
Und im echten Leben?
Und manchmal fühlt sich das bei mir und meiner Freundin genauso an. Ich bin mehr so: „Ich hab da mal was angefangen. Ich weiß noch nicht, was es wird, aber es glitzert schon mal!“ Und sie? Bringt mir Kräuter aus dem Garten oder erinnert mich daran, dass man Tee eigentlich auch ziehen lassen sollte, bevor man ihn trinkt.
Ich selber liebe den Mond genau wie Fidelia und sie ist ganz klar die Sonne. Und obwohl (oder gerade weil) wir so verschieden sind, passen wir perfekt zusammen.
Die eigentliche Magie
Freundschaften beginnen oft ganz unterschiedlich, aber die, die bleiben, sind die, die unser Leben verzaubern. Und genau darin liegt die eigentliche Magie.



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