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Wenn der Alltag sich nicht verzaubern lässt

  • Autorenbild: Johanna Winter
    Johanna Winter
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit
kleine hexe und fledermaus im chaos


Der erste Montag im Januar 2026


Der erste Montag im neuen Jahr fühlte sich im Stelzenhaus irgendwie… seltsam normal an. Kein Glitzerregen, kein magisches Trompetengetröte, nicht einmal eine kleine Explosion im Hexenerkessel. Fidelia stand in der Küche, die Hände in die Hüften gestemmt und musterte ihren Zauberstab mit entschlossener Miene.

„So“, murmelte sie, „heute starte ich motiviert, strukturiert und ganz ohne Chaos in den Montag.“

Der Zauberstab lag still auf dem Tisch, verdächtig still.

Minze reckte sich auf dem Fensterbrett und gähnte demonstrativ. Stups hing kopfüber an seinem Balken und schnaubte. „Motiviert, strukturiert, aha, das sagst du jedes Jahr, Fidelia.“



Wenn gute Vorsätze glitzern sollen


Fidelia ignorierte seinen Kommentar. Stattdessen hob sie ihren Zauberstab, schloss die Augen und flüsterte:„Ein bisschen Ordnung, ein Hauch von Elan und alles läuft wie von selbst dann an!“

Ein kleiner, schimmernder Funke schoss aus der Spitze, drehte sich zweimal und verwandelte den Besen neben der Tür in einen glitzernden, aber sehr beleidigten Kaktus.

Stups konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Na siehst du? Jetzt hast du wenigstens einen aufrechten Mitbewohner.“ Fidelia seufzte tief, legte den Stab auf den Tisch und verschränkte die Arme. „Ich schwöre, der Zauber hat gestern noch funktioniert.“

Minze blinzelte aus halb geschlossenen Augen, gähnte erneut und dachte: Das Jahr beginnt genau so, wie das letzte aufgehört hat.



Kleine Pannen, grosse Wirkung


Während Fidelia versuchte, den Kaktus wieder in ihren Besen zurückzuverwandeln, flatterte Stups auf ihren Hut und grinste frech. „Manche starten mit Yoga in die Woche, andere mit glitzernden Katastrophen. Typisch Fidelia.“

„Ich wollte einfach mal normal anfangen“, grinste Fidelia, „so mit Plan und Ziel und ein bisschen Struktur.“ „Dann bist du im falschen Leben, meine Liebe“, meinte Stups besserwisserisch.

Ein paar Sekunden lang herrschte Stille, aber dann lachten beide laut los.


Magie, Mut und ein bisschen Selbstironie


Am Ende des Vormittags war der Besen wieder ein Besen, der Glitzer klebte an allem, was sich nicht bewegte und Fidelia hatte immerhin eine Tasse Tee heil zubereitet, ohne Explosion, ohne Zauberspruch, ganz normal.

„Na also“, grinste sie breit, „es geht doch.“

„Wenn das dein Normal ist“, sagte Stups, „dann weiss ich auch nicht.“

Minze öffnete ein Auge, streckte sich wohlig und schnurrte leise auf ihrer Fensterbank. Draussen fiel das Morgenlicht durchs Fenster, weich, golden und ganz still, und Fidelia dachte, dass man manchmal keinen grossen Zauber braucht, um den Tag gut zu beginnen. Nur ein bisschen Geduld, Humor und vielleicht jemanden, der einen zum Lachen bringt.

 
 
 

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