Kinderbuch schreiben mit Kind und wie mein Sohn zu meinem heimlichen Lektor wurde
- Johanna Winter

- 16. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juni 2025
Wenn man Kinderbücher schreibt, braucht man ehrliches Feedback. Richtig ehrliches, nicht ‚ganz nett‘-ehrlich, sondern ‚sechsjährig-ehrlich‘.
Und wer wäre dafür besser geeignet als ein kleiner Nachwuchszauberer mit einer Meinung zu wirklich allem?
Mein Sohn ist nicht nur der Grund, warum es Fidelia Wirbelwind überhaupt gibt, nein er ist auch mein härtester Kritiker und mein größter Fan. Oder mein strengster Verlagschef (Kommt drauf an, wie viel Schokolade er hatte).
Was ich beim Kinderbuch schreiben mit Kind gelernt habe
Während ich mir den Kopf über Handlungen, magische Regeln und Glitzerdetails zerbreche, kommen von ihm Fragen wie:
„Warum hat Stups keinen Umhang?“„Kann Minze irgendwann mal wieder sprechen?“Oder der Klassiker: „Ist das lustig gemeint?“Autsch. Ehrlicher geht’s nicht. Und genau deshalb liebe ich das Schreiben für Kinder.
Stups, der Star mit Schmollblick
Besonders angetan hat es ihm übrigens Stups, mein liebenswerter, ständig meckernder Fledermausfreund mit Professoren-Allüren.Mein Sohn LIEBT seine mürrische Art.Wenn er eine neue Geschichte zum ersten Mal hört, fängt er automatisch an, Stups nachzumachen, mit hochgezogenen Augenbrauen, tiefer Stimme und genervtem „Hmpf“.(Wenn das nicht das höchste Kinderlob ist, dann weiß ich auch nicht.)
Seine Meinung zählt, mehr als jede Regel
Beim Kinderbuch schreiben mit Kind ist das mein wichtigster Test: Wenn er lacht, bleibe ich bei der Szene. Wenn er aber die Schultern zuckt oder mit ernster Miene „Das ist blöd“ sagt, ja, dann weiß ich: Zurück ans Notizbuch. Und zwar sofort. Diese Stelle funktioniert.Wenn er aber die Schultern zuckt, oder mit ernster Miene „das ist blöd“ sagt, ja, dann weiß ich: Zurück ans Notizbuch und zwar sofort.
Manchmal reicht auch schon sein Blick aus, so ein ganz spezieller, mit einem Stirnrunzeln und ganz viel „Mama bitte, das gefällt mir jetzt nicht“, und zack, überarbeite ich eine ganze Seite, oder zwei, oder drei.
Mein Fazit nach unzähligen Testleser-Runden am Küchentisch: Kinder brauchen keine perfekten Geschichten. Sie wollen Spaß, Tempo, Quatsch, Überraschungen und Figuren, die man sich sofort als Freund oder Haustier wünscht.(Außer Rosi, das Huhn. Die will vermutlich niemand als Haustier. Zu bossy, aber psst…..dieses Buch ist ja auch noch gar nicht veröffentlicht.)
Danke mein kleiner Lektor
Auch wenn du selten Kommas berichtigst, dafür aber ganze Kapitel, und wenn du mir sagst, was nicht so cool ist und was richtig wild ist, das finde ich wirklich gut.Und auch wenn du längst entschieden hast, dass Fidelia eine eigene TV-Serie verdient hat (mit dem entsprechenden Plüsch-Stups, bitteschön), sorgst du immer wieder dafür, dass Fidelia so bleibt, wie sie sein soll: frech, fantasievoll, ein bisschen chaotisch und mit einem riesigen Zauberherz.
(Und keine Sorge, Plüsch-Stups ist notiert. Ganz oben auf der Liste.)




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